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Stand: 30.12.2008

Postleitzahl

zum Bereich Postlogistik

Postleitzahlen

Geschichte der deutschen Postleitzahl

Ein Mitglied unserer Gruppe hatte gehört, dass es auch vor der Einführung der vierstelligen Postleitzahlen in Deutschland schon eine Art Postleitzahlensystem gegeben haben soll mit Zahlen wie 13A und 13B für (Nord-?)Bayern. War das nur ein Gerücht oder stimmt das?

Es stimmt. Laut einer Information der Pressestelle der Deutschen Bundespost sind die allerersten Postleitzahlen im Jahr 1943 in Deutschland eingeführt worden. Dieses waren die Ordnungszahlen der damaligen 20 Oberpostdirektionen des noch existierenden Deutschen Reiches. Die Einführung der "Regionalzahlen" sollte auch einen schnelleren Transport der Feldpost im Kriege bewirken.

Was die Nachkriegszeit angeht, so stimme ich nicht mit der Posterklärung überein, die behauptet, daß die OPD-Zahlen in den 50er Jahren kaum noch benutzt worden ist. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, daß bei uns zu Hause die 16B für Südhessen eifrig benutzt wurde und auch auf Briefkästen und in Postämtern dazu aufgefordert worden ist, die Postleitzahl zu verwenden.

Am 23. März 1962 wurde die vierstellige Postleitzahl eingeführt. Man hatte nicht vor, die Regel "eine Ortschaft - eine Postleitzahl" zu verwirklichen. Laut dem damaligen Postminister Richard Stücklen und der Post-Presseerklärung - und zur Bestätigung einer These, die ich vor Jahren aufgestellt hatte, - hatten »die westlichen Postoberen jedem Ort in der damaligen DDR eine Postleitzahl zugeteilt. Heute sind diese Zahlen nicht mehr zu gebrauchen: "Viele Trabantenstädte sind in den neuen Bundesländern aus dem Boden geschossen, die heute mit den alten Zahlen nicht mehr erfaßt werden können", erklärt Stücklen.«

Das erklärt das Fehlen der Leitbereiche 25, 26, 36 bis 39, sowie die Nummernkreise ab 1001 und alle Zahlen mit einer Führungs-9.

Die Einführung der vierstelligen PLZ gelang schnell, weil die Medien sich darauf stürzten. Einmal gab es Vollzugsmeldungen in der Lokalpresse ("Zwei Wochen nach Einführung der PLZ sind fünfzig Prozent der eingelieferten Briefe mit der richtigen PLZ versehen") und dann gab es auf Anregung von Postminister Stücklen die Spielshow "Vergißmeinnicht".

Spielerisch mußten dabei von Saalkandidaten Ortsnamen ermittelt werden. Die Spielchen waren fast so tumultartig wie später "Spiel ohne Grenzen". Die Fernsehzuschauer mußten dann die richtigen Postleitzahlen zu den Orten finden, vier oder fünf addieren, dann hatten sie die Lösungszahl für die Lotterie. Aber bei "Vergißmeinnicht" wurde nicht nur an die Postleitzahl gedacht, die Sendung war auch Beginn der "Aktion Sorgenkind", die die Reinerlöse der Auslosungen bekam, wie später bei "3 x 9" und heute vom "Großen Preis".

Die Post der DDR zog nach und schon bald gab es auch im Arbeiter- und Bauernstaat ein System mit Nummernkreisen von 1 bis 9, vierstellig, aber abweichend vom bundesdeutschen, das Großstädte nur durch nachgestellte Zustellpostamtsziffern differenzierte. In der DDR erhielten Ortsteile der größten Städte eigene PLZ. Daher war 1000 Berlin immer West-Berlin, 1xxx Berlin, sobald ein X keine 0 war Ost-Berlin.

Wir sind beim Thema X und O. Da die Politiker in Ost und West sich in den 60er Jahren weigerten, Realitäten anzuerkennen, mußte ein postalischer Zwischenweg gefunden werden für Post innerhalb Deutschlands. In einem Posteinkommen wurde vereinbart, daß Post von West nach Ost vor die PLZ ein X bekommen sollte, die von Ost nach West ein O. In den 70ern wurden dann die Realitäten anerkannt, X und O durch die schon durch Autohecks bekannten DDR und D. Ein O mußte seit 1990 wieder vor Postleitzahlen gemalt werden, diesmal auf Post von West nach Ost, denn die Post in andere Richtung trug jetzt ein W vor der Ortskennzahl.

Schon bald nachdem die deutsche Einigung zum hervorragenden Thema nationaler Politik gemacht wurde, gab es den Spruch, daß neue Postleitzahlen gebraucht werden würden, nach dem Motto: Ein Land, ein-heitliche Postleitzahlen. Entweder hatte Stücklen mit seinem Zitat recht, oder die Postinformatiker, die sich die neuen Postleitzahlen ausgedacht haben sind einfach zu jung, um in den einstigen Plänen der deutschlandweiten Postleitzahl zu kramen. Neue mußten her. Ursprünglich waren noch längere Kennzahlen in der Planung, die Überlegung, daß sieben- oder achtstellige Zahlen sich nicht durchsetzen lassen, führten zur Beschränkung auf fünf Stellen, wie jeder weiß und vielleicht inzwischen auch ausschließlich benutzt.

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Organisation der deutschen Postleitzahl

Bei den vierstelligen Postleitzahlen gab es 600 Bereichsknotenämter für Postein- und -ausgang. Das waren im Prinzip alle Orte, die als vierte Stelle eine 0 hatten. Normale Sendungen wurden über 125 Briefauffangämter und 47 Durchgangsstellen geleitet, dazu zählen wohl auch die Flughafenpostämter. Drucksachen und Massendrucksachen wurden getrennt davon über 60, bzw. 54 Dienststellen gesammelt und verteilt.

Die zweiten bis vierten Ziffern hatten eine "sprechende" Bedeutung, die ich allerdings aus dem Gedächtnis zitiere: Die 0 stand für einen Knoten, die 1 für Orte, die nahe bei dem Knotenort liegen. Eine Ausnahme ist dabei die 1 an vierter Stelle gewesen. Damit wurden die sogenannten "Landgemeinden" gekennzeichnet. Viele Orte eines Knotenamtes hatten die gleiche auf 1 endenden Postleitzahlen. Hat ein Ort durch Gebietsreform oder Industrieansiedlung an Bedeutung gewonnen, bekam es eine noch freie andere Endziffer. Beispiel: 6091 Trebur erhielt Ende der 70er Jahre die 6097.

Die Ziffern 2 bis 5 standen für Orte etwa gleichhoher Bedeutung, 6 bis 8 für entferntere und/oder Orte mit geringerer Bedeutung. Die 9 wurde Orten vergeben, die auch von einem Nachbarknoten aus versorgt wurden. Beispiele: 79 Ulm, 89 Augsburg, 6090 Rüsselsheim, 7590 Achern.

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Die fünfstelligen Postleitzahlen fassen die Leitwege stärker zusammen. Es gibt nur noch 83 Briefzentren, Mammutbetriebe, von denen inzwischen alle logistisch perfekt arbeiten. Die Briefzentren entsprechen den ersten beiden Ziffern der neuen Postleitzahl, wobei in Ballungsräumen wohl auch Zentren für zwei oder drei Anfangsziffern zuständig sind, z.B. 10, 12 und 13 für Berlin (wie das mit der 14 gehandhabt wird, die teilweise auch Berlin umfasst, ich weiß es nicht), 20, 21 und 22 für Hamburg, 80 und 81 für München. Für die zweite Ziffer habe ich folgende Regelmäßigkeit entdeckt. Die 1 und 2 sind meist dicht an der 0, die 3 bis 9 laufen im Gegenuhrzeigersinn um das Zentrum herum, soweit sich das machen läßt.

Die dritte bis fünfte Stelle hat keine sprechende Bedeutung. Hier fand ich auch erste Unregelmäßigkeiten. Kleine Orte wie Eningen unter Achalm (bei Reutlingen) müssen mit einem Hundertersprung leben. Die Postfach-PLZ ist dort 72798 und 72799, die Zustell-PLZ 72800.

Für jeweils etwa 80 Postfachkunden gibt es eine PLZ. Das führt dazu, daß die meisten Orte mehr Postfach-PLZ als Zustell-PLZ haben. Paradebeispiel ist hierbei Helgoland mit einer Zustell-PLZ und 12 Postfach-PLZ bei überdurchschnittlichen 800 Postfachkunden.

Diese Trennung von zweierlei PLZ führt sicher oft zu Verwechslungen. Selbst bei unserer Firmenanschrift muß ich stets nachschauen, welche PLZ nun für Straße oder welche für Postfach gilt. Verwirrend sicher auch die Einrichtung der Großkunden-Nummern, wohlgemerkt nicht für den Postlauf sondern für den Einzelkunden, der keine Möglichkeit hat, eine Postfach- oder Großkunden-PLZ nachzuschlagen, es sei denn, er hat von dem Post-Großkunden schon einmal Post erhalten und diese noch griffbereit.

Für die Umstellung der Geschäftsdaten meines Arbeitgebers habe ich das Postleitzahlbuch vorwärts und rückwärts durchgeblättert, einschließlich die Straßenverzeichnisse. Dabei habe ich festgestellt, daß es Orte gibt, die auf Grund ihrer Topologie wenige auf mehrere PLZ aufgeteilte Straßen haben. Limburg/Lahn ist eine der wenigen Orten, in dem es trotz acht verschiedener Zustell-PLZ keine geteilte Straße gibt, wohl aber die Fälle, daß es Straßen wie die Mosel- oder die Mozartstraße in jeweils drei Ortsteilen gibt. Ohne Angabe des Ortsteils kommt man nicht zur richtigen PLZ. Schlimmer ist es in Saarbrücken. Hier hat es wohl in den letzten Jahren noch einige Eingemeindungen gegeben und laut Straßenverzeichnis ist etwa jeder dritte Straßenname ohne Angabe des Ortsteils nicht eindeutig zuzuordnen.

Hier wären die Stadtoberen aufgerufen, die Straßennamen zu differenzieren, was bei Mozart schwer fällt (man könnt Leopold Mozart heranziehen und nicht nur den Filius), aber bei geographischen Angaben geht: Untere Moselstr.; Alte Moselstr. oder Limburger Moselstr.

Die neuen PLZ sind, so habe ich feststellen müssen, nicht so eindeutig, wie sie verkauft werden. Im Raum Trier und auch in Sachsen-Anhalt gibt es mehrere Ansiedlungen, die zwar selbständige Verwaltungseinheiten sind, aber die gleiche PLZ besitzen.

Wenn euch noch etwas zur PLZ auffallen sollte, schickt es, damit wir es für unsere SIG "ausschlachten" können. DEG

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Besonderheiten in Berlin und Brandenburg

Ein Leser hat entdeckt, dass wir sich nicht ganz genau erklären konnten, wie das Briefzentrum 14, das ja einen Teil Berlins und des Umlands versorgt, arbeitet. Er hat ein paar Monate in diesem Briefzentrum gearbeitet und ist zu dem Schluss gekommen, dass sich die Post bei der Vergabe der fünfstelligen PLZ nicht um irgendwelche verwaltungstechnischen Territorialeinheiten geschert hat. Die PLZ-Bereiche von Südwestberlin werden genauso wie die der brandenburgischen Umgebung behandelt. Es geht der Post hierbei ausschließlich um die Optimierung der logistischen Abläufe, die natürlich von Gemeinde- und Stadtgrenzen unabhängig ist.

Ein Problem ist mit den fünfstelligen Postleitzahlen und der zunehmenden Computerisierung der Wirtschaft und Verwaltung aufgetreten: Der Einsender dieser Zeilen wohnt seit einiger Zeit in einer sehr dünn besiedelten Gegend in Mecklenburg-Vorpommern. Dort gibt es Tausende von Dörfern, die nur eine „Dorfstraße“ haben oder deren Straße(n) gar keine Bezeichnung hat/haben. Offiziell muss man als Ort bei der Adressangabe den Hauptort der Gemeinde angeben. Das führt dazu, dass es in einer Gemeinde zehnmal „Dorfstraße“ gibt. Wenn der Postbote nicht seine Pappenheimer mit Namen kennen würde, müsste er also, wenn der Absender bzw. sein Adressprogramm nicht in der Lage war, den Ortsteil (also den eigentlichen Ort) zusätzlich aufzuführen, bis zu zehn Dörfer abklappern, um den Empfänger zu finden. Und viele Leute haben noch nicht einmal ein Namenschild an der Tür...

Der Autor ist genervt davon, zu erklären, dass er in Ahrenshagen wohnt, auf dem Paket aber für die Postorganisation Kuchelmiß stehen muss. Dann sucht der UPS-Zusteller, der noch nie hier war, ganz Kuchelmiß nach der Straße ab, findet sie in den kleinen Orten nicht und schickt das Paket zurück.
Die freundliche Stimme der versendenden Firma teilt dann auf Nachfrage mit, dass die Anschrift nicht existiert und dass der Anwohner sich eine bestehende Adresse ausdenken und dann die Versandgebühren noch mal zahlen soll.

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Postleitzahlen in anderen Ländern

Der Postdienst informierte sich im Ausland über das jeweilige Postleitzahlen-System - und konnte so viele Umstellungs- und Systemfehler von vornherein ausschließen.

Schweden: Das provisorische Verzeichnis, noch vor der Einführung der neuen Postleitzahlen publiziert, hätte die "Sweden Post" um ein Haar in den Ruin gestürzt: Die vielen Fehler und Ungereimtheiten in dem Katalog lösten ein mittleres Chaos aus. Zudem akzeptierten die Mitarbeiter das neue System nicht völlig und warben nicht ausreichend dafür. Die Folge: Noch zwei Monate nach ihrer Einführung im März 1968 benutzte erst die Hälfte der Bevölkerung die neuen Ziffern.

Diese und andere kaum vorhersehbare Umstellungsfehler kosteten den schwedischen Postdienst eine Menge Geld. Nur durch den massiven Einsatz von Werbung und gesteigertem Kundenservice - um Adressenbestände umzustellen, wurden zum Beispiel Arbeitslose eingespannt - konnte die Quote bis Ende 1968 auf 90 Prozent gesteigert werden.

Aus dem Schaden der Schweden konnte der deutsche Postdienst klug werden. Aber auch in anderen Ländern, etwa den USA, den Niederlanden und Frankreich, informierte sich der Planungsstab "Neue Postleitzahlen" über das Für und Wider der jeweiligen Systeme. Die Schweden verwenden fünfstellige Leitzahlen. Groß-, Mittel- und einigen Kleinstädten sind mehrere Postleitzahlen zugeordnet, den rund 900 kleinen Orten nur eine. Großkunden, Postfachschränke, Versandhandel und Rätselpost verfügen über eigene Nummern.

Das System ähnelt dem neuen deutschen am meisten. Einen Fehler, den die Schweden durch Neuverteilung beheben konnten, beging der Postdienst allerdings nicht: Er vergab nur jede zweite Postleitzahl, um Reserven für kommunale Neugliederungen oder innerbetriebliche Änderungen einzuräumen.

Niederlande: Die niederländische Post PTT mit rund 20 Millionen Poststücken pro Tag verwendet ein System aus vier Ziffern und zwei Buchstaben, getrennt durch einen Leerraum. Die Ziffern stehen für Orte und Stadtviertel, die Buchstaben für Straßengruppen und Zustellparzellen. Es wurde im März 1978 eingeführt. Im folgenden Herbst kannten erst 57 Prozent aller Kunden ihre Postleitzahl auswendig. Heute wird sie bei 97 Prozent aller Sendungen verwendet.

Den Postdienst hat dieses System nicht überzeugt: Zu viele kleine Leiteinheiten führen bei lokalen oder innerbetrieblichen Umstellungen zu aufwendigen Änderungen im Zahlen-Buchstaben-Gefüge, das zudem schwer zu merken ist.

Frankreich: In Frankreich entsprachen bis 1972 die Postleitzahlen den zweistelligen Autonummern des Departements. Dann entschloß sich "LA POSTE", drei Stellen anzuhängen. Ein Nachteil: Das System beinhaltet kaum Reserven bei Umstrukturierungen. Akzeptanz: Noch 1974 benutzten nur 60 Prozent die richtige Postleitzahl, heute sind es bis zu 98 Prozent.

Geringer ist die Beteiligung bei den sogenannten CEDEX-Nummern (Courrier d'Enterprise a Distribution Exceptionelle), durch die Großkunden und Behörden mit mindestens 2000 eingehenden Sendungen täglich über Postfächer, Feldpost oder Spezialzustellungen früher bedient werden. Obwohl man lediglich "CEDEX" hinter den Bestimmungsort schreiben muß, benutzen es nicht einmal 70 Prozent der Kunden.

USA: Auch das System der USA mit bis zu 12 Stellen - ideal für die maschinelle Verteilung - war für den deutschen Postdienst unakzeptabel. Postleitzahlen-Projektleiter Heimo Thomas: "Dann hätte jeder einen halben Meter Verzeichnisse im Schrank."

Aus einem Artikel der Bundespost-Postdienst, April 1993

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Anekdoten zur Postleitzahl

Kater »Hermann« trotzt den neuen Postleitzahlen

Kater »Hermann« aus Bremen hat der Post ein Problem beschert - oder andersrum: Es geht um die »Katzenohren-Postleitzahlen-Umstellungsproblematik«. Ein ernstes Problem? Im Ohr der Samtpfote ist nämlich eine Registriernummer eintätowiert, die aus der alten vierstelligen Postleitzahl und einer laufenden Nummer besteht.

»Hermanns« amtliches Kennzeichen ist folglich die Zahlenfolge 2800-9384. Damit ist der prachtvolle zweijährige Kater nach einer längeren »Expedition« in jeder Stadt eindeutig identifizierbar. Herrchen Ralf Habben plagt nun die Frage, wie er die neue fünfstellige Postleitzahl ins dünne Öhrchen seines Lieblings bekommt.

Deshalb bat er die Post um Rat - mit Erfolg. Die Generaldirektion der Bundespost antwortete ihm mit deutscher Gründlichkeit schriftlich, daß die »Vielzahl der Anrufe ähnlichen Charakters die Notwendigkeit einer bundeseinheitlichen Regelung« deutlich mache. Deshalb sei eine »wissenschaftliche Kapazität, die namentlich nicht genannt werden möchte«, mit einer umfassenden Expertise betraut worden.

Darüber hinaus kämen ja hauptsächlich die Ohren, die Innenseiten der »Kniefalten« und die Innenseiten der »Unterlippe« für eine Kennzeichnung in Frage. Außerdem sei die Implantierung eines modernen maschinenlesbaren Mikrochips mit allen wichtigen Daten, auch Freßgewohnheiten, zu erwägen. Aber auch die Möglichkeit großflächiger Tätowierungen mit fluoreszierender Farbe auf den glattrasierten Flanken des Tieres müsse bedacht werden.

Sicherheitshalber hatten die Beamten ganz ernsthaft beim Tasso Haustierzentralregister für die Bundesrepublik Deutschland nachgefragt. Und dort erfuhren sie - zur Beruhigung von Habben und »Hermann«: solange sich die Ohren des Katers nicht ändern, werde sich auch die eintätowierte Registriernummer nicht ändern. Damit sei trotz neuer Postleitzahlen die Identifizierung garantiert.

Mit ihrem Antwortschreiben bewies die Post Humor. Denn, so teilte ein Sprecher der Generaldirektion vorsichtshalber mit, der Brief sei keinesfalls ernst gemeint gewesen. Die Bundespost habe aber in witziger Weise demonstrieren wollen, daß sie als kundenfreundliches Unternehmen auch für derartige Probleme ein offenes Ohr habe, selbst wenn für deren Lösung andere zuständig und hilfreicher seien.

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Keiner wollte die Null der Nation sein

Theo Waigel meinte, die 8 sei ein genetischer Bestandteil Bayerns. Wie viele andere mehr oder weniger Prominente wollte er sich mit der beschlossenen Reform der Postleitzonen abfinden und damit, daß Bayern geteilt werden würde in 8er und 9er Nummern und, daß Teile der 8er und 9er Zonen auch für Orte in Baden-Württemberg und Thüringen zuständig sein sollten und obendrein Teile Unterfrankens mit Aschaffenburg die 63 erhalten solle.

Interessant die Einwände der Bayernpartei. Bei Darlegung der Nummernpläne erklärte sie, es nicht akzeptieren zu können, daß Bayern und Franken numerisch voneinander trennt. Deshalb forderte sie alle Bayern auf statt der PLZ das Zeichen BY für Bayern zu benutzen.

Mit vehementem Widerspruch reagierte auch der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau. Als ruchbar wurde, Düsseldorf solle die Anfangsziffer "4" verlieren, ließ er seine Drähte spielen. Die Postüberlegungen sahen geradezu Unerhörtes vor: Die Landeshauptstadt sollte ausgerechnet vom alten Rivalen Köln postalisch eingemeindet werden.

Vehementer war der Kampf dagegen, die Führungs-Null zu bekommen. Da das neue System nicht ohne 0 zu verwirklichen war, schoben die zunächst mit der 0 bedachten Norddeutschen (Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) die "Unzahl" weit von sich. Es kam zur jetzigen Lösung: die Anfangsziffern verlaufen im Gegenuhrzeigersinn bei Berlin mit 1 beginnend. Für Sachsen und Teile Thüringens und Brandenburgs blieb nur die 0 übrig.

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